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Zurück zur Site von Ulrich Brinkmann

Auserwählung

 

Mit diesem Begriff haben wir wohl einen Ausdruck vor uns, der häufig in einem völlig falschen Kontext benutzt wird und zu ziemlich viel Verwirrung führen kann. Man muss sich aus biblischer Sicht überlegen, was Gott mit dem Begriff Auserwählung bzw. Auswahl ausdrückt.

 

Menschen verbinden mit dem Begriff Auswahl immer zwei Seiten, wenn es Auserwählte gibt, dann muss es auch solche geben, die eben nicht zu dieser Auswahl gehören. Menschliche Auswahl setzt immer Grenzen. Wenn Menschen über göttliche Auswahl nachdenken, dann sind sie sehr schnell bei der göttlichen Errettung und kommen dann zu dem Schluss, dass Gott souverän handelt, darum hat der Mensch keinen Einfluss auf das Ergebnis. Es gibt dann keine letztendliche Sicherheit, ob man denn zu den Auserwählten gehört, man muss einfach das göttliche Endergebnis abwarten.

 

Historische Einflüsse

 

Die Grundlage für dieses Denksystem hat Aurelius Augustinus (354 – 430) gelegt. Kernpunkt seiner Überlegungen war dabei ein unfreier Wille des Menschen. Gott bestimmt alles und Menschen, Geschöpfe können nur erdulden, entweder das Gute oder das Böse, Gottes Handeln ist willkürlich und für Menschen nicht nachvollziehbar. Diesem Denkschema unterliegt auch jede reformierte Theologie. Luther war Augustiner und hat diese Gedanken in seinen Schriften weiter entwickelt. Man lese nur „vom unfreien Willen“. Johannes Calvin hat in seinen Institutio ohne Ende Augustinus zitiert.

 

Die Synoden von Dordrecht 13.11.1618 bis 09.05.1619 und die von Westminster 1643 – 1649 haben diese Gedanken dann zur Staatsdoktrin weiterentwickelt. Insbesondere die Westminster Assembly beruhte auf einem Gesetz, welches sowohl vom Unter- als auch vom Oberhaus verabschiedet worden war. Dem Bekenntnis liegt also ein säkularer Beschluss zu Grunde.

 

Die Fraktion der puritanischen Abgeordneten im Parlament hatte vom Juni 1642 bis zum Mai 1643 fünfmal erfolglos versucht diese Versammlung zu berufen. Das Vorhaben scheiterte jeweils, da König Karl I. von England stets seine Unterschrift für das Gesetz verweigert hatte. Erst die sechste Gesetzesinitiative hatte Erfolg. Der Entwurf wurde durch das Unterhaus eingebracht und erlangte im Juni 1643 Gesetzeskraft auch ohne die Unterschrift des Königs, da zuvor das Oberhaus dem Gesetz bereits zugestimmt hatte.

 

Noch heute ist das „Westminsterbekenntnis“ ein wichtiges Dokument bei allen Diskussionen in calvinistisch geprägten Kreisen.

 

Man muss berücksichtigen, dass vor diesem Hintergrund die theologische Ausbildung der ersten „Brüder“ stattgefunden hat. Viele Punkte, die man bei den „frühen Brüdern“ nicht auf Anhieb nachvollziehen kann, bekommen plötzlich „Sinn“, wenn man ins Westminsterbekenntnis schaut. Stellvertretend will ich hier nur die Praxis zu Scheidung und Wiederheirat nennen. Artikel 24 „von Ehe und Scheidung“ des Westminsterbekenntnisses erklärt nachvollziehbar (nicht biblisch) wie es zur Wiederheirat kommen kann. So gibt es weiter den Artikel 10 „Von der wirksamen Berufung“. Im Original der „effective call“, aus dem im Deutschen Berufung wurde, da in Berufung eine gewisse Passivität des Berufenen unterstellt werden kann, die es bei einem Gerufenen nicht gibt. Vom Grundsatz her kennt die Bibel nur gerufene, der Berufene folgt einer Übersetzungstradition, sprachlich kann man ihn nicht begründen.

 

Das Westminsterbekenntnis fordert auch in Artikel 28.4 die Kindertaufe. Weiter definiert das Westminsterbekenntnis zwei Sakramente, nämlich die Taufe und das Abendmahl.

 

Gerade solche, die sich immer wieder auf dieses Bekenntnis beziehen, praktizieren es in den seltensten Fällen vollständig. Man kann eigentlich davon ausgehen, dass sie, wie z.B. die Southern Baptists, Fehler gefunden haben, trotzdem beruft man sich in Einzelfragen immer wieder auf dieses Dokument.

 

Die biblische Begrifflichkeit der Auserwählung

 

Wenn wir die Bibel untersuchen, dann finden wir einige Dinge die schrittweise oder stückweise geoffenbart werden und die heilsgeschichtlich Geheimnisse waren, bis sie geoffenbart wurden. Dies ist z.B. bei der Versammlung / Gemeinde / Kirche der Fall. Alles, was mit dem Leib Christi in Verbindung steht, wurde erst nach dem Tod und der Auferstehung des Herrn Jesus geoffenbart. In 1. Kor. 2 finden wir dafür eine überraschende Erklärung. Die Fürsten dieses Zeitlaufs hätten den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt, wenn sie die Absichten Gottes gekannt hätten.

 

Es gibt aber auch Dinge in der Schrift, die sind grundsätzlich und überhaupt nicht von Heilzeiten abhängig. Wir erkennen an Hand der Briefe des Neuen Testamentes, insbesondere an Hand der Geheimnisse, die in den Paulusbriefen geoffenbart sind, dass die Versammlung als Leib Christi eine heilsgeschichtliche Besonderheit der Gnadenzeit, genauer gesagt der Zeit von Pfingsten bis zur Entrückung ist.

 

Zu den Dingen, die in allen Heilszeiten geoffenbart waren und unveränderlich Gültigkeit haben, gehören, Errettung aus Glauben und Gnade, Rechtfertigung durch Glauben und Gnade, Sohnschaft und Auserwählung. Diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wird aber sicher bei manchem erst einmal Stirnrunzeln hervorrufen.

 

Errettung aus Glauben und Gnade kann man schon bei Adam & Eva, bei Abel, bei Henoch und bei Noah ganz deutlich vor der Sintflut erkennen. Nicht von ungefähr werden die drei letztgenannten in Hebr. 11 genannt. Dass sie gerechtfertigt waren, zeigt auch 2. Petr. 2,5 deutlich, wenn Noah dort Prediger der Gerechtigkeit genannt wird. Auch die Predigt Henochs im Judasbrief zeigt das Henoch die gerechten Gedanken Gottes kannte. Die Gerechtigkeit Abels wird in Hebr. 11,4 betont. Natürlich finden wir in der Schrift den Gedanken der Rechtfertigung aus Glauben ausdrücklich erst bei Abraham, dieses Prinzip hat aber auch unter Gesetz nie aufgehört, wie man deutlich an der Glückseligpreisung in Psalm 32 sehen kann, die uns dann auch als Beleg in Römer 4 angeführt wird.

 

Sohnschaft ist nach Römer 9 bereits Teil der Patriarchen und auch dieser Gedanke war im Alten Testament bereits bekannt, wie wir in Hebräer 1 erkennen können.

 

Im Bezug auf Auserwählung haben wir einen sehr bemerkenswerten Hinweis im Römerbrief. „So besteht nun auch in der jetzigen Zeit ein Überrest nach Auswahl der Gnade.“ (Röm. 11,5). Die siebentausend, die zur Zeit Elias dem Baal nicht ihre Knie gebeugt hatten waren „Auswahl der Gnade“. Römer 11 unterscheidet in dem Vers deutlich unterschiedliche Heilszeiten, indem uns mitgeteilt wird „auch in der jetzigen Zeit“.  Auswahl der Gnade ist keine Besonderheit der so genannten Gnadenzeit. Wir werden aber im Weiteren sehen, dass Auserwählung und Gnade immer Hand in Hand gehen. Auserwählung ist auch immer in Christus, man kann auch hier Auserwählung und Christus nicht trennen. Gott hat in Christus auserwählt, genau wie er allein durch Christus vergibt und rechtfertigt. Gottes Gerechtigkeit war bereits durch das Gesetz und die Propheten bezeugt. Ohne Unterschied haben alle gesündigt und erreichten nicht die Herrlichkeit Gottes, alle werden nur durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist gerechtfertigt. Der Herr Jesus ist auch das Sühnemittel für die Sünden, die vorher geschehen sind und die Gott, in Erweisung seiner Gerechtigkeit, hat hingehen lassen.

 

Gott hat die Möglichkeit gegeben, dass alle Menschen durch Glauben unter Gnade kommen. Es ist überaus bemerkenswert, dass Gott Glauben nicht als Werk sieht. Römer 4 behandelt diese Frage zu Anfang sehr ausführlich. Menschen werden aufgefordert zu glauben, dass drückt sich auch im Gehorsam aus, aus menschlicher Sicht durchaus in Taten, Gott sagt aber: „Dem aber, der nicht wirkt, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet;“ (Röm. 4,5). Dann wird im weiteren Verlauf deutlich, dass „es aus Glauben ist, damit es nach Gnade sei“. Direkt im Anschluss wird dann noch einmal unterstrichen, dass „Abraham unser aller Vater ist“.

 

Vor den Abhandlungen im Römerbrief haben wir bereits eine intensive Betrachtung des Themas in Gal. 3+4. Dort wird ausdrücklich betont, dass die aus Glauben Söhne Abrahams sind (Gal. 3,7). Um dann am Ende des Kapitels darin zu gipfeln „Wenn ihr aber Christi seid, so seid ihr denn Abrahams Nachkommen und nach Verheißung Erben.“ (Gal. 3,29). Die Gläubigen sind auf Christus getauft, haben Christus angezogen, sie sind Christi und sie sind Abrahams Same. Genau das entspricht der Auswahl Gottes in Christus, der Auswahl der Gnade.

 

Besonders in Gal. 3 sehen wir, dass wir, als Menschen von dem Fluch des Gesetzes erlöst werden mussten (Gal. 3,13). Zum Verständnis soll angemerkt werden, dass das Gesetz in Vers 13 ein anderes ist als das „Buch des Gesetzes“ in Vers 10. Ich möchte Gal. 3,13 auf „das Gesetz der Sünde und des Todes“ (Röm. 8,2) beziehen. Dieses, von Adam bewirkte Gesetz, wird an allen Menschen vollzogen, ausnahmslos.

 

2. Kor. 5,14+15 zeigt uns deutlich, dass Christus für alle gestorben ist und somit alle gestorben sind. Christus ist insofern „Ende des Gesetzes Ende“ (Röm. 10,4), als es jetzt solche gibt, die leben, weil Ihnen bewusst ist, dass Christus für alle gestorben ist, diese leben jetzt dem, der für sie gestorben und auferweckt ist. Der Schluss von Römer 4 macht deutlich, dass Christus unserer Sünden wegen gestorben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt ist.

 

Im Bezug auf die zwei Seiten der Auserwählung ist es wichtig, dass niemand vor dem Tod bewahrt wird, nicht ein einziger. Es kann gar keine Auserwählung zur Bewahrung vor dem Tod geben, weil alle ausnahmslos gestorben sind. Über den ersten Menschen, den Menschen vom Staub, über Adam konnte es nur ein einzige Urteil geben: „Alle sind abgewichen, sie sind allesamt untauglich geworden; da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer.“ (Röm. 3,12)

 

Die Auserwählung Gottes konnte allein in Christus sein. Gott hat IHN zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in IHM (2. Kor. 5,21). Der Gerechte hat für die Ungerechten gelitten, damit er sie als Gerechte zu Gott führe. Gott wählte den zweiten Menschen, den himmlischen. Niemand ist davon ausgeschlossen das Bild des himmlischen zu tragen. Wenn jemand in Christus ist, das ist eine neue Schöpfung, das alte ist vergangen, alles ist neu geworden (2. Kor. 5,17) Wenn Christus in jemand ist, dann garantiert das die Teilnahme an der Herrlichkeit (Kol. 1,27). Wenn jemand gestorben ist und sich dessen bewusst ist, dann ist sein Leben mit dem Christus in Gott verborgen (Kol. 3,3).

 

Gott wollte einfach nicht, dass Menschen ewig in ihren Sünden leben, darum war der Tod der Anfang der Gnade. Noch einmal, Christus ist für alle gestorben und alle sind mit Christus gestorben, jetzt kommt es auf die Teilnahme an der Auferstehung an. „Denn wenn wir mit ihm einsgemacht worden sind in der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch in der seiner Auferstehung sein,“ (Röm. 6,5).

 

Die, die aus Gnade sind, hat Gott auserwählt. „und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist;“ (Röm. 3,24) Gott hat nämlich zuvor bestimmt, dass sie dem Bilde seines Sohnes gleichförmig sein sollten (Röm. 8,29) zuvor deutet hier ganz sicher auf „vor Grundlegung der Welt“ hin. Das macht aus die Auserwählung in Christus in Eph. 1 aus.

 

Damit Menschen diesem Ziel entsprechen können müssen die Leiber, die Bestandteil der Schöpfung sind, die der Nichtigkeit unterworfen ist, darum werden sie auch Leiber der Niedrigkeit genannt, umgewandelt zur Gleichförmigkeit mit dem Herrlichkeitsleib des Christus. (Phil. 3,21).

 

Gott konnte nur eine Auswahl der Gnade haben. Nichts aus dieser Schöpfung ist passend für die Gegenwart Gottes. Die Auserwählten mussten passend für die Gegenwart Gottes sein, mussten dort zu Hause sein, mussten Söhne sein.

 

Auserwählt vor Grundlegung der Welt in Christus sind Söhne Gottes, solche, deren die Sohnschaft ist. Etwas anderes ging einfach nicht.

 

Es wird in der Herrlichkeit Unterscheidungen zwischen den Auserwählten in Christus geben. Die Auserwählten aus der Gnadenzeit bilden die Hütte Gottes bei den Menschen, sie sind der Leib Christi und die Braut des Lammes. Alle anderen, die ebenfalls durch das kostbare Blut des Lammes ohne Fehl und Flecken in der Herrlichkeit sein werden, gehören auch dorthin, haben die Sohnschaft und sind Kinder und Söhne Gottes, sie entsprechen ebenfalls dem letzten Adam, dem zweiten Menschen.

 

Gottes Wille ist es, dass jeder diesem Bild entspricht. Niemand wurde von Gott davon ausgeschlossen. Allein der Wille des Menschen entscheidet darüber, ob er zu der Auswahl gehört.

 

„[3] [Denn] dies ist gut und angenehm vor unserem Heiland-Gott, [4] der will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“ (1. Tim. 2,3+4)

 

„Der Herr zögert die Verheißung nicht hinaus, wie es einige für ein Hinauszögern halten, sondern er ist langmütig euch gegenüber, da er nicht will, dass irgendwelche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen.“ 2. Petr. 3,9